Adolph Friedländer - Lithographien und Plakate

Sonderausstellung vom 6. April bis zum 9. Juni 2014:

Adolph Friedländer - König der Lithographen

Menschen, Tiere, Sensationen – in einer Zeit ohne Kino, Rundfunk und Fernsehen waren Plakate das modernste und wirksamste Mittel der Massenwerbung. Der Hamburger Adolph Friedländer war Ende des 19. Jahrhunderts einer der bekanntesten Plakat-Lithographen. Zwischen 1872 und 1935 produzierte die Friedländer-Druckerei über 9000 Plakate, die vor allem für Zoos, Zirkuskünstler und Varietétheater warben. Zu den Kunden gehörten auch der Zirkus Hagenbeck und das Marionetten-Varietétheater Schichtl.

Das TheaterFigurenMuseum verfügt über einige dieser Schichtl-Plakate. 110 Jahre nach dem Tod Adolph Friedländers, dem „König der Lithographen“, werden sie gemeinsam mit einer Auswahl verschiedener Zirkus- und Jahrmarktsplakate in einer Sonderausstellung gezeigt.

Adolph_Friedländer

Was Sie erwartet

Friedländers Plakate spiegeln eine überschäumend beschwingte und dramatisch bewegte Zeit voller Neuheiten und Sensationen wider, schillern mit farbenprächtigen Varianten der Attraktionen, Kuriositäten und Raritäten und machen längst Entschwundenes lebendig: Zirkus- und Zeitgeschichte. Die Plakate entstanden zu Beginn des 20. Jahrhunderts, eine Zeit in der berühmte Luftakrobaten, Jongleure, Schwertathleten, Zauberkünstler und die Vertreter manches heute vergessenen artistischen Fachs die Sensation auf den Jahrmärkten waren, Riesen, Dicke oder Haarmenschen zur Schau gestellt wurden und Flohzirkus und Marionettenbühne durch das Land zogen…

In unserer Ausstellung zeigen wir Plakate aus fünf Jahrzehnten. Historische Lithographien der Marionettendynastie Schichtl von 1883 bis 1912 sowie ausgewählte Werbeplakate, die u.a. für den Zirkus Carl Hagenbeck entstanden, vermitteln die „festliche Luft“ und zaubern die bunte Welt des Zirkus, Zoo und Varietés in die Gegenwart.

 

Begleitprogramm

Kunsthistoriker führt durch die Ausstellung:
25. April / 23. Mai / 6. Juni jeweils um 15.00 Uhr mit Martin Gosch

29 Plakate unserer Ausstellung aus dem 19. und 20. Jahrhundert lassen uns noch immer staunen. Sie zeigen sensationelle Tierdressuren, akrobatische Meisterleistungen, erzählen Geschichten von Jongleuren und Zauberkünstlern und kündigen Flohzirkusse und Marionettenbühnen an.

Was die Menschen schon damals faszinierte, beeindruckt uns noch heute. Dabei sind die Motive manchmal nicht auf den ersten Blick zu erkennen, es sei denn, man lässt sich die Plakate von dem geschulten Auge eines Kunsthistoriker erklären.

Der Kunsthistoriker Martin Gosch führt heute durch die Ausstellung und wird Sie garantiert verzaubern!

Workshop »Grafische Zeichentechniken«
an der Kunstschule der Gemeinnützigen
jeden Dienstag 19.30 – 21.00 Uhr und
jeden zweiten Freitag von 9.30 – 12.30 Uhr
Mehr Infos unter www.kunstschule-luebeck.de


Einblick in die Geschichte der Druckerei Friedländer

Im Jahr 1872 lässt sich Adolph Friedländer nach einer Ausbildung in der väterlichen Steindruckerei in der Thalstraße 22 in Hamburg-St. Pauli nieder und beginnt mit dem Druck von Etiketten für Kolonial- und Delikatesswarengeschäfte. Durch die unmittelbare Umgebung seiner Druckerei, in der sich Varieté-Theater, Singspielhallen und Bierhäuser befinden, beschließt er bald, den Etikettendruck aufzugeben und sein Geschäft auf den aufwändigen Druck vierfarbig lithografierter Plakate zu spezialisieren.

Eine Hamburger Druckerei erobert die Welt

Die Druckerei Friedländer liefert bestes handwerkliches Können und hervorragenden Farbdruck. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt sich der Betrieb zu einem der bedeutendsten lithographischen Anstalten für Zirkus-, Varieté- und Artistenplakate in Europa. Friedländer selbst wird bald so erfolgreich, dass er „König der Lithographien der Artisten“ genannt wird. Es gibt kaum einen Circus von Rang in Deutschland, der nicht wenigstens einmal ein Plakat bei Friedländer bestellt. Seine Auftraggeber kommen aus ganz Europa, aus dem Mittleren und Fernen Osten oder Amerika. Manche sind Dauerkunden: Circus Althoff, Circus Busch und natürlich Hagenbeck.

Carl Hagenbeck

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Dank eines Großauftrags von Carl Hagenbeck, der die Plakate für seine Singhalesen-Schau und Kalmücken-Karawane bei Friedländer produzieren lässt, schafft die Druckerei in den Jahren 1883 und 1884 ihren Durchbruch. Aus der Geschäftsbeziehung zu Hagenbeck wird eine Freundschaft, die sich in den Söhnen der beiden fortsetzt. Hagenbeck gehört zu den letzten Kunden der Druckerei in der NS-Zeit, als die Kunden rar werden.

 




Bild-Nr. 0712 aus dem Jahr 1895, »Löwe auf Elefant« für Carl Hagenbecks Zoologischen Circus in Hamburg © Circusmuseum.nl Das Motiv ist als Postkarte in unserem Shop erhältlich!

Die Künstler im Hause Friedländer

Friedländer und Söhne entwerfen und lithographieren nicht selbst, sie beschäftigen ein Team von ausgezeichneten Zeichnern, Lithographen und Druckern:

Christian Bettels, auf Tiere spezialisiert, ab ca. 1880 bei Friedländer, später Chefzeichner bis 1928.

Wilhelm Eigener, löst Bettels ab, bekannter Tiermaler, prägt neuen Stil, was zu neuem Aufschwung führt.

Henry Schulz, Zeichner hauptsächlich menschlicher Figuren. Porträts entstehen meistens nach Fotografien vor allem für ausländische Auftraggeber.

Erdwin Schirmer, Akrobat + Zeichner

Hin und wieder beschäftigt die Druckerei auch Gastzeichner, wie zum Beispiel Heinrich Zille, der eine ganze Reihe von Plakaten für den Circus Busch zeichnet.

Von wenigen Ausnahmen abgesehen, arbeitet die Druckerei stets in den vier Farben Rot, Gelb, Blau und Schwarz. Alle Schattierungen und Nuancierungen entstanden aus diesen Farben.


Friedländers Markenzeichen
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1890/91 taucht das berühmte Friedländer-Signet erstmals auf: Neben der Nummer wird das Plakat mit einem herzförmigen Blatt und dem Firmennamen versehen. Der Strahlenkranz wird ab der Nummer 400 als Umrandung eingesetzt. Das Signet steht für höchste Qualität und wird fast bis zum Schluss beibehalten. Auf späteren Plakaten ab 1933 ist das Signet – symbolisch – schwarz. Die Druckerei wagt nicht mehr, mit ihrem Namen zu zeichnen. Ganz zuletzt bleibt vom Druckvermerk nur noch die Nummer übrig.

 

1935 – Das Ende einer Ära

Kurz bevor die jüdische Druckerei nach einer Phase der Duldung durch die Nationalsozialisten 1935 schließen muss, werden die Plakate mit einem symbolisch schwarzen Signet ohne den Namen Adolph Friedländer versehen. Eines dieser späten Plakate ist in unserer Ausstellung zu sehen. Mit der Schließung der Druckerei endet nicht nur eine Firmentradition, sondern auch eine Ära des Plakatdrucks.

Heute ist von der legendären Druckerei Friedländer in der Thalstraße 22 in Hamburg-St. Pauli nichts mehr zu sehen. Link zu google-maps



Aktuelle Termine

Adresse / Kontakt

TheaterFigurenMuseum gGmbH

Kolk 14 · 23552 Lübeck
Tel: +49 (0)451 29616862
info(at)theaterfigurenmuseum.de

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Öffnungszeiten

Das TheaterFigurenMuseum Lübeck schließt am 30.12.2017 für voraussichtlich 2 Jahre für umfangreiche Sanierungsarbeiten!

Eintritt

Erwachsene 7,00 €
Schüler/innen, Studierende 3,50 €
Schüler/innen im Klassenverband 2,50 €
Kinder (6-12 Jahre) 2,50 €
Kinder (unter 6 Jahre) frei
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