Europa

Schichtl’s Marionetten-Variété-Theater im TheaterFigurenMuseum

Die Schichtls sind eine weitverzweigte Schaustellerfamilie, die sich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Sie repräsentieren eine Ära des Marionettenspiels in Deutschland und Europa. Der Nachlass des letzten großen Marionettenkünstlers der Schichtl-Dynastie Xaver Schichtl (1888-1965) gelangte 1990 in unser Museum. Zum Bestand gehören 262 Marionetten, 53 Marionettenköpfe, zwei Bühnen, Requisiten, 120 Versatzstücke, 46 Rolldekorationen sowie zahlreiche Textbücher, Plakate, Fotos, Briefe etc. Der Erwerb wurde durch Mittel der Kulturstiftung des Landes Schleswig-Holstein und der Possehl-Stiftung ermöglicht.


Zu den in Norddeutschland (Hannover) ansässigen Schichtl’s gehörten Franz August (1849-1925) und seine Söhne Karl (1880-1967) und Xaver (1888-1965). Mit dem Slogan „Vornehmsten Familientheater“ und „Weltstadtprogramm“ warben sie auf dem Bremer Freimarkt, Hamburger Dom und den großen Messen. Der Name Schichtl fehlte auf keiner Fassade, keinem Plakat oder sonstigen Werbung und stand für höchste künstlerische und moralische Qualität. Auf ihren Programmbroschüren fanden sich außerdem lobende Pressezitate, hochtrabende Ausführungen über ihr Spiel von Professoren und Empfehlungsschreiben von hochgestellten Persönlichkeiten.

Die Schichtl Familie war ein Reiseunternehmen, das in Messe-, Groß- und Hafenstädten im In- und Ausland berühmt war und seine Aufführungen zu Recht als „Weltstadtprogramm“ anpreisen durfte. Von wanderenden Handpuppen- und Marionettenspielern entwickelten sich die Schichtl zum „Zauber- und Spezialitäten-Theater“ mit einem Programm von Varieté Nummern. „Auf geht’s zum Schichtl“ wurde zu einer bekannten, noch heute gebräuchlichen Redewendung in Süddeutschland. Michael August Schichtl (1851-1911) beispielsweise begründete seinen Ruf als DER Münchener Schichtl mit seinen Paraden: vor der Bühne preiste er einzelne Programmteile an, indem er seine Artisten zeigte. Dabei bediente er sich klassischer Zaubernummern und Illusionen, lebendiger Bilder, Tänze oder Pantomimen. Auch Nebelbilder-Projektionen, Theatrum mundi und Metamorphosenfiguren gehörten in sein Repertoire. In einem um 1900 gedruckten Zettel heißt es über Michael August Schichtl:


„Theater M.A. Schichtl hat sich einen Weltruf erworben, denn es ist in der Tat das eleganteste Theater in diesem Genre. Die Sitzplätze in demselben sind mit Plüsch bezogen, der Fußboden mit Läufern belegt, die Bedienung ist prompt, die Vorführungen tadellos, und sind dadurch würdig, die allerhöchsten Herrschaften zu empfangen.“

Quelle:
Dr. Werle-Burger, Helga (1994): Vornehmstes Familientheater. Schichtl’s Marionetten-Variété-Theater. Husum
Till, Wolfgang (1986): Puppentheater. Bilder, Figuren, Dokumente. München

Unser Museum zeigt eine Auswahl des Nachlasses von Xaver Schichtl in der Dauerausstellung.

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Punch & JudyEngland

„Punch“ und „Judy“. Punch, ein Raubein und Draufgänger, und Judy, die naive, aber streitlustige Frau, sind die Hauptfiguren des englischen Figurentheaters und Bestandteil unserer Ausstellung.

 

 

FrankreichFrankreich

Unser Museum zeigt Figuren des mechanischen Théâtre Merveilleux, das zwischen 1854 und 1900 jährlich in Hamburg gastierte. Der Genius dieses Theaters war Georg Hartjen aus Bremen, der der diese Techniken in Paris erlernt hatte. Von dort brachte er Flachfiguren aus Metall mit, z. B. Schlittschuhläufer. Ab 1854 konstruierte er Rundfiguren, die Kopf, Augen und Mund bewegen und mit den Beinen richtig gehen konnten. Sein Theater, das er im selben Jahr gründete, war eine Art Volkshochschule, die Geschichte im Spiel für jedermann lebendig werden ließ: die Erforschung Afrikas, die Kultur der Ägypter oder das Leben der Fürstlichkeiten. (Zur Zeit leider im Depot)

 

SizilienItalien

Das Museum zeigt einen umfangreichen Sammlungsbestand italienischer Schlenkermarionetten in der Ausstellung. Schlenkermarionetten werden von oben an einer Stange geführt, die am Kopf befestigt ist. Sie haben in der Regel bewegliche Schulter- und Hüftgelenke.1972 kaufte der Museumsgründer Fritz Fey auf einer Reise durch Italien seine erste Marionette. Diese Figur, Umberto, kann heute in unserem Museums-Shop bestaunt werden. Im Jahr 2001 wurde das sizilianische Puppentheater von der Unesco in die Liste der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit aufgenommen. Seit 2008 steht es auf der Repräsentativen Liste des immateriellen Kulturerbes.

 

Spejbl und HurvinekTschechien

Spejbl und Hurvínek sind die zwei berühmtesten Marionetten des tschechischen Puppenspielers Josef Skupa (* 16. Januar 1892 † 8. Januar 1957). Die Stücke um Vater Spejbl und seinen vorlauten, aber aufgeweckten Sohn Hurvínek sind eine Mischung aus groteskem Humor und Alltagssatire. Bis heute spielen neben den zwei Hauptcharakteren Hurvíneks Freundin Mánicka, Hund Žeryk und Spejbls Frau Katerina am Spejbl und Hurvínek Theater in Prag und gastieren auf der ganzen Welt. Vater und Sohn sind in unserer Ausstellung zu sehen und als kleine Marionetten auch in unserem Shop erhältlich!

Unsere Dauerausstellungen

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Afrika

Aktuelle Termine

Eintritt

Erwachsene 7,00 €
Schüler/innen, Studierende 3,50 €
Schüler/innen im Klassenverband 2,50 €
Kinder (6-12 Jahre) 2,50 €
Kinder (unter 6 Jahre) frei

Adresse / Kontakt

TheaterFigurenMuseum gGmbH

Kolk 14 · 23552 Lübeck
Tel: +49 (0)451 29616862
info(at)theaterfigurenmuseum.de

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