Asien

Das Figurentheater hat seit jeher eine bedeutende Stellung im kulturellen Leben Asiens. Grund dafür ist, dass sich das Puppen- und Schattenspiel in engstem Zusammenhang mit den Riten und Zeremonien des religiösen Lebens entwickelt haben. Die Begegnung mit dem Figurentheater Asiens ist darum auch eine Begegnung mit den asiatischen Kulturlandschaften.

Das TheaterFigurenMuseum verfügt über eine große Anzahl asiatischer Puppenbestände. Sie adäquat präsentieren zu können, ist angesichts des gebotenen Raumes völlig ausgeschlossen. Sonderausstellungen über einzelne Gebiete sollen die Vielfalt deutlich machen.


Das europäische Puppenspiel empfing wesentliche Anregungen durch asiatische Spieltechniken. Besonders die japanische Bunraku-Technik macht auf westliche Zuschauer einen starken Eindruck und hat europäische und amerikanische Bühnen geprägt. Vor allem aber orientierte sich unser Schattentheater in Stil und Technik seit dem 17. Jahrhundert an den chinesischen Schatten („ombres chinoises“). Der größte Unterschied zwischen dem europäischen und dem asiatischen Puppenspiel besteht in dem besonderen kulturellen Stellenwert, den das Puppenspiel fast überall in Asien besitzt, obgleich es sich um den buddhistischen, hinduistischen oder moslemischen Einflussbereich handelt.

Die Hauptquelle für die Theaterstoffe zwischen Indien und Indonesien liefern das hinduistische Ramayana- und das Mahabharata-Epos, deren Lehren durch das Puppenspiel einem meist leseunkundigen Publikum nähergebracht werden. Sowohl das Herstellen als auch das Spielen der Puppen kann im weiteren Sinne als religiöser Akt bezeichnet werden. Dem Puppenspieler kommt dabei oft eine priesterähnliche Rolle zu. Auch die Musik spielt eine bedeutende Rolle im asiatischen Figurentheater.

Quelle: Till, Wolfgang (1986): Puppentheater. Bilder, Figuren, Dokumente. München)

Das asiatische Schattentheater

„Kunst ist das, was zwischen Schein und Sein liegt.“ Chikamatsu Monzaemon

In Asien stößt die Darstellung einer Rolle durch den menschlichen Schauspieler auf keine Bedenken, solange menschliche Schicksale dargestellt werden. Sie wird aber problematisch, wenn überirdische Mächte ins Spiel kommen. Die Völker Asiens kamen schon früh auf den Gedanken, überirdische Wesen, seien es Götter oder Helden der Vergangenheit, durch Puppen oder Schattenfiguren darzustellen. „In ihrer Schemenhaftigkeit ist immer noch ein Abglanz des Lichts enthalten, sodass sich in ihnen die höhere Wirklichkeit erahnen lässt.“ (Thomas Immoos)


Die Schattenfiguren dienten dazu, die epische Rezitation der alten Mythen zu erläutern. Das gewöhnliche Volk war kaum in der Lage, die überlieferten Erzählungen von Göttern und Helden in gehobener Sprache oder gar in Sanskrit zu verstehen. Der indische Gelehrte Patanjali berichtete bereits im 2. Jh. v. Chr. von Vorträgen solcher Epen mit Bildern. Das Schattenspiel erwies sich als ein vorzügliches Mittel, die großen Ereignisse der Mythen in Erinnerung zu rufen, die Geschichten, die sich zwischen Göttern, Dämonen und übermenschlichen Helden ereigneten. Im Licht der Kerzen oder Öllampen bewegen sich diese Gestalten auf dem weißen Wandschirm in einer entfremdeten Form, die genügend Realität gewinnt, um die Phantasie zu beleben.

Mit der Zeit findet auch das Menschenschicksal seinen Weg auf die Schattenbühne. Das Schattentheater wird zum Welttheater, in dem der Wandschirm den Himmel und die Bühne die Erde repräsentiert.

Das Schattentheater ist ein ausgezeichnetes Medium, um die Abgeschiedenen wieder in Erscheinung zu rufen. Eine chinesische Erzählung führt die Entstehung des Schattenspiels beispielsweise auf die Totenbeschwörung zurück.

Quelle: Immos, Thomas. In: Mayer, Fred (1979): Schattentheater, S. 12-18.

Japan

Bunraku Kopf einer Bunrakufigur,
Ende 19. Jh. Japan

Das Bunraku ist das bedeutendste Theater Japans. Die fast lebensgroßen Puppen werden von jeweils drei Spielern mit äußerster Präzision geführt. Während der Chef-Puppenspieler den Kopf und den rechten Arm der Figur meist sichtbar bewegt, sind seine Gehilfen in schwarze Gewänder gehüllt und so vor einem dunklen Hintergrund unsichtbar. Die Dialoge der Puppen werden von Musik begleitet. Bunraku ist besonders bekannt für tragische Liebesgeschichten, die mit Suizid (Shinju) enden. Das Bunraku Theater ist ein Autorentheater. Vor der Vorstellung hält der Rezitator den Text in die Höhe und verbeugt sich vor ihm. Damit verspricht er, ihm treu zu folgen. Bunraku wurde im Jahr 2005 in die UNESCO-Liste der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit aufgenommen.

Thailand

Thailand Szene aus dem Ramakien, Schattenfigur,
Ende 19. Jh. Japan

Das klassische thailändische Masken-Tanzdrama „khon“ bildet die Basis der Figuren des traditionellen Stockpuppenspiels (hun krabok“) Thailands. Das Ramakien-Epos, die Thai-Version des indischen Ramayana, ist die Grundlage des Schattenspiels. Die großen Schattenfiguren („nang yai“) werden im Norden gespielt, die kleineren Figuren („nang talung“) in der südlichen Provinz Pattalung, von der auch der Name abgeleitet ist. Der Puppenspieler hält seine Figur empor und führt vor oder hinter der Leinwand Tanzbewegungen aus.


Indien

Das Puppentheater scheint in Indien fast allgegenwärtig. Zu den Zentren des traditionellen Spiels gehören die Provinzen Rajasthan (Kathputli-Marionetten), Uttar Pradesh und Madhya Pradesh (Handpuppen), West Bengal (Stabfiguren), Andra Pradesh (Schattentheater), Kerala (Kathakali-Handpuppen).

Besonders das Schattentheater hat in Indien eine lange und bedeutende Tradition. Der indische Gelehrte Patanjali berichtete bereits im 2. Jh. v. Chr. von Vorträgen bekannter Epen mit Bildern. Es ist möglich, wenn auch nicht eindeutig, dass es sich dabei um Schattenspiel handelt – womit das indische Schattentheater bereits im 2. Jahrhundert v. Chr. nachzuweisen wäre. Eindeutige Zeugnisse für die Verbreitung des Schattenspiels an den Höfen der indischen Könige finden sich seit dem 6. Jahrhundert. Das Schattentheater wird hinter einer dünnen Leinwand in Szene gesetzt und schafft mit einfachsten Mitteln ein Gesamtkunstwerk. Literatur, Schauspielkunst, Musik, Tanz, Malerei und Licht leisten ihren Beitrag.

Unser Museum zeigt indische Schattenfiguren, Marionetten und verschiedene Stabfiguren in der Ausstellung.

Quelle: Murty, Ramana: Indien. In: Mayer, Fred (1979): Schattentheater, S. 59-66.

China

Ähnlich wie in Indien sind auch in China sämtliche Arten des Puppentheaters üblich. Von Handpuppen über Stabfiguren bis hin zu Marionetten und Schattenfiguren ist das Repertoire chinesischer Puppenspieler groß. Die Kulturrevolution von 1966-1976 brachte das bis dahin erhaltene traditionelle Puppenspiel in große Gefahr; einige Formen sind deshalb vom Aussterben bedroht und von der UNESCO zum immateriellen Kulturerbe erklärt worden.

Unsere Ausstellung zeigt seltene Marionetten aus China, Stabfiguren der Peking-Oper, Schattenfiguren sowie Handpuppenbühnen mit den zugehörigen Figuren.

(Quelle: Till, Wolfgang (1986): Puppentheater. Bilder, Figuren, Dokumente. München)

Türkei

Karagöz Schattenspielfiguren, Anfang 20. Jahrhundert.

Karagöz und Hacivat – Die Spaßmacher vom Bosporus

Er ist frech, faul, fröhlich - und er haut kräftig zu. Das ist nicht der deutsche Kasper, sondern der türkische Karagöz. In der Türkei sind Karagöz und Hacivat die wichtigsten Figuren im Puppentheater. Die frechen und oft obszönen Karagöz-Stücke werden vor allem bei großen Familienfesten und während des Fastenmonats Ramadan jeden Abend in den Kaffeehäusern aufgeführt. Das Figurentheater hat in der Türkei häufig eine sozialkritische Komponente.


Hacivat verträgt sich mit jedem und verfolgt so seine Interessen, er ist gebildet und kann in alle Rollen schlüpfen. Er übt jeden Beruf für Geld aus, angefangen vom Dorfvorsteher bis zum Ehevermittler. Hacivat versteht etwas vom Handeln und strengt sich beim Geldverdienen nicht an. Harte Arbeiten lässt er Karagöz für einen geringen Lohn verrichten. Karagöz ist einfacher, aber witzig-gerissener Mann aus dem Volk. Er muss aus Geldmangel häufig Aufgaben übernehmen, denen er nicht gewachsen ist.

In unserer Ausstellung sind verschiedene Varianten von Karagöz und Hacivat und ihrem Ensemble zu sehen. Bei den auf dem Foto abgebildeten Figuren ist Hacivat (rechts) deutlich als Respektperson an der typischen Kopfbedeckung zu erkennen.


Myanmar (vormals Burma)

Burma Junge mit Elefant, Ende 19. Jh.

Das Marionettentheater in Myanmar ist ein Tanztheater. Alle Figuren werden tänzerisch bewegt und haben spezielle Konstruktionsweisen. Im Mittelpunkt einer Aufführung steht eine der 550 Episoden aus dem Leben Buddhas. Dazu gibt es 27 feststehende Figurentypen, wobei den Tierfiguren eine besondere Bedeutung zukommt. Marionetten werden durch Musik, Gesang und Dialog charakterisiert.

Unsere Dauerausstellungen

Europa
Asien
Afrika

Aktuelle Termine

Eintritt

Erwachsene 7,00 €
Schüler/innen, Studierende 3,50 €
Schüler/innen im Klassenverband 2,50 €
Kinder (6-12 Jahre) 2,50 €
Kinder (unter 6 Jahre) frei

Adresse / Kontakt

TheaterFigurenMuseum gGmbH

Kolk 14 · 23552 Lübeck
Tel: +49 (0)451 29616862
info(at)theaterfigurenmuseum.de

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